Montag, 27. Februar 2017

Karneval und Fasching auf der "Alten Mainbrücke"

Trendstudie:
Fasching und Karneval sind ein globales Phänomen mit regionalen Schwerpunkten
  
In diesem Jahr war ich wieder beim Würzburger und Heidingsfelder Fasching mit dabei. Das nennt man interdisziplinär wissenschaftlich auch "teilnehmende Beobachtung". Die teilnehmende Beobachtung ist eine systemtheoretisch orientierte, ethologische und ökonomische Methode bzw. Recherchemethodik. Dahinter steht die Idee, dass Beobachtung nicht vom Miterleben zu trennen ist, auch nicht von der Teilhabe am Lebensalltag getrennt werden darf. (Hahn: Ethnologie, S. 73) Professionalität bedeutet in diesem Kontext, der stetige Wechsel von Teilnehmen (also Miterleben) und Beobachten. Ich habe also mitgefeiert, mit der Giemaul-Post bzw. den Brückenheiligen journalistisch und ökonomisch teilgenommen. Im Rahmen der Trendstudien über den "Wirtschaftsstandort Mainfranken" habe ich natürlich auch befragt, also Interviews mit Zuschauern, Geschäftsleuten, Narren und Journalisten durchgeführt.

Theoretischer Hintergrund ist ein philosophisch angehauchte Ausgangsthese: Die Wirklichkeit des Würzburger und Heidingsfelder Faschings ist nicht wahr. Die Realität ist anders. Es ist der Versuch die Philosophie Heinrich Rombachs am Beispiel des Würzburger Faschings zu überprüfen oder zumindest beides die Strukturontologie Rombachs und den Würzburger Fasching  besser zu verstehen und einzuschätzen: kognitiv und ästhetisch und  auch ökonomische Konsequenzen zu ziehen.


Fastnachts-Umzug in Nürnberg | Bild: Bayerischer Rundfunk
Fasching in Franken - Würzburger Faschingszug 2017 - Quelle: BR



Fasching oder Karneval ist ein globales Phänomen. Musik und Verkleiden sind ein wichtiges Element der weltweiten Bräuche. Der Karneval in Venedig kennt vor allem die eleganten Kostümierungen und ist vor allem für Oberitalien charakteristisch. Ähnlich auch in Kanada der Karneval in Quebec. Die Karnevalsumzüge mit Masken und viel eigenständiger lateinamerikanischer Musik in Rio, sind bekanntestes Fest in Lateinamerika. Ebenso wie der Karneval von Oruro steht Rio für ein aufwendig und lebensbejahenden Brauchtum. Der brasilianische Karneval ist ebenso lebensbestimmend wie gesellschaftlich verbindendes Brauchtum.

All jene weltweit zu beobachtenden Bräuche, die vor der katholisch-christlichen Fastenzeit -- sie dauert dann sechs Wochen -- gefeiert werden nennt man unterschiedlich: Karneval, Fastnacht, Fasching, Fastelovend, Fasteleer, Fasnet, Fastabend oder schlicht die fünfte Jahreszeit. Die Bräuche enden punkt 24 Uhr am Faschingsdienstag, denn die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch. Das Christentum bereitet sich auf das Osterfest vor.

In deutschen (Regional-)Kulturen haben die Strukturen im Rheinland, in Franken und die schwäbisch-alemannische Fastnacht den Leuchtturmcharakter. Diese "Hochburgen" werden vor allem seit den 50-iger und 60-iger Jahren medial vermarktet: "Mainz wie es singt und lacht" hat die kleine Großstadt am Rhein bekannt gemacht. Etwas nordöstlich in Belgien ist der Mittfasten-Karneval am Sonntag in Laetare in Stavelot bzw. der belgischen Ostkantone verbreitet. Zurück im Rheinland streiten sich Köln und Düsseldorf um die rheinische Karnevals-Krone: Heisst es jetzt Helau wie in Düsseldorf oder doch Alaaf wie in Köln? Ob dieses Brauchtum den Karneval im afrikanischen Namibia angeregt hat ist zu vermuten. Denn nicht nur in Windhoek, sondern auch in anderen Städten wird Karneval gefeiert, aber ohne die Zeiten der (Vor-)Fastenzeit einzuhalten.  Europäisch bestimmend ist auch der Karneval in Spanien z.B. der Karneval von Santa Cruz de Tenerife und der Karneval in Cádiz. Der Mardi Gras (Fetter Dienstag, Fastnachtsdienstag) in New Orleans in den USA steht für eine lebendige französisch-orientierte Tradition des Karnevals in den Südstaaten der USA.

Trendstudie: Fasching und Karneval sind ein globales Phänomen mit regionalen Schwerpunkten
Fastnachts-Umzug in Nürnberg | Bild: Bayerischer Rundfunk
Fasching in Franken - Würzburger Faschingszug 2017 - Quelle: BR



Fasching oder Karneval ist ein globales Phänomen. Musik und Verkleiden sind ein wichtiges Element der weltweiten Bräuche. Der Karneval in Venedig kennt vor allem die eleganten Kostümierungen und ist vor allem für Oberitalien charakteristisch. Ähnlich auch in Kanada der Karneval in Quebec. Die Karnevalsumzüge mit Masken und viel eigenständiger lateinamerikanischer Musik in Rio, sind bekanntestes Fest in Lateinamerika. Ebenso wie der Karneval von Oruro steht Rio für ein aufwendig und lebensbejahenden Brauchtum. Der brasilianische Karneval ist ebenso lebensbestimmend wie gesellschaftlich verbindendes Brauchtum.

All jene weltweit zu beobachtenden Bräuche, die vor der katholisch-christlichen Fastenzeit -- sie dauert dann sechs Wochen -- gefeiert werden nennt man unterschiedlich: Karneval, Fastnacht, Fasching, Fastelovend, Fasteleer, Fasnet, Fastabend oder schlicht die fünfte Jahreszeit. Die Bräuche enden punkt 24 Uhr am Faschingsdienstag, denn die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch. Das Christentum bereitet sich auf das Osterfest vor.

In deutschen (Regional-)Kulturen haben die Strukturen im Rheinland, in Franken und die schwäbisch-alemannische Fastnacht den Leuchtturmcharakter. Diese "Hochburgen" werden vor allem seit den 50-iger und 60-iger Jahren medial vermarktet: "Mainz wie es singt und lacht" hat die kleine Großstadt am Rhein bekannt gemacht. Etwas nordöstlich in Belgien ist der Mittfasten-Karneval am Sonntag in Laetare in Stavelot bzw. der belgischen Ostkantone verbreitet. Zurück im Rheinland streiten sich Köln und Düsseldorf um die rheinische Karnevals-Krone: Heisst es jetzt Helau wie in Düsseldorf oder doch Alaaf wie in Köln? Ob dieses Brauchtum den Karneval im afrikanischen Namibia angeregt hat ist zu vermuten. Denn nicht nur in Windhoek, sondern auch in anderen Städten wird Karneval gefeiert, aber ohne die Zeiten der (Vor-)Fastenzeit einzuhalten.  Europäisch bestimmend ist auch der Karneval in Spanien z.B. der Karneval von Santa Cruz de Tenerife und der Karneval in Cádiz. Der Mardi Gras (Fetter Dienstag, Fastnachtsdienstag) in New Orleans in den USA steht für eine lebendige französisch-orientierte Tradition des Karnevals in den Südstaaten der USA.

In der Fasching in Mainfranken ist der rheinischen Faschingstradition sehr ähnlich. Warum - da streiten sich die Geister. Denn bereits im 18. Jahrhundert wurde der Faschingsumzug in Würzburg historisch belegt. Im Schnitt sind es am Faschingssonntag so zwischen 80.000 bis zu 200.000 Besuchern. Derartig große Umzüge gibt es in Deutschland sonst nur im Rheinland: mit Prunk- und den, Motivwagen und "Bombom"-werfen (wie Kamellewerfen in Köln und Düsseldorf). In der ehemaligen Königsstadt Heidingsfeld, einer Vorstadt Würzburgs -- manche meinen sogar umgekehrt - findet am Faschingsdienstag eine kleinere, weniger kommerzielle Version des Würzburger Umzugs statt: Die Bombenstimmung in den Kneipen, Gaststätten und auf den Party-Veranstaltungen in den Vereinen, Privatwohnungen und sogar Altersheimen spricht für den Stadtteil. Der Wettbewerb der Städte ist in Mainfanken ebenso wie im Rheinland ausgeprägt: einen ähnlichen Faschingszug gibt es am gleichen Tag in Schweinfurt,  in Karlstadt im Landkreis Main-Spessart zählt man am Faschingssonntag 60 bis 80 Gruppen und Motivwagen.  Besonders engagiert ist man in der kleinen Faschingshochburg Rieneck bei Gemünden. Der Ort mit ca. 2.000 Einwohner hat bis zu 10.000 Besucher am Fasenachtsdienstag; und 60-80 Gruppen bzw. Motivwagen. Und zudem: in den meisten Ortschaften in Mainfranken gibt es eigene Karnevalsgesellschaften, die kleinere Umzüge in der Faschingszeit organisieren.

Ein weiterer Höhepunkt in der fränkischen Fastnacht sind die Prunksitzungen, die ebenfalls von den Karnevalsgesellschaften der einzelnen Gemeinden ausgerichtet werden. Die bekannteste fränkische Sitzung ist die „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim, die vom Fastnacht-Verband Franken veranstaltet und ebenfalls vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wird.
In Uettingen hat sich eine Tradition entwickelt, bei der früher am Faschingsdienstag zwei konkurrierende Burschenschaften durch das Dorf zogen und die Geschehnisse des Jahres und Untaten der jeweils anderen Burschenschaft in Reimform teilweise hoch zu Pferd vortrugen. Heute wird beim jährlichen Faschingsumzug von der Uettinger Jugend eine Faschingszeitung verkauft, welche diese Tradition fortsetzt. Außerdem ist aus dem Süden die Welle der Faschingsbälle nach Würzburg geschwappt

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