Freitag, 12. August 2016

Brückenheilige und sonstige

12 Heilige bewachen die Alte Mainbrücke zu Würzburg



Autor: Bendel-Horst

Und diese Brücke hat es in sich. In der Zwischenzeit zu einem "internationalen Treffpunkt" gewachsen, haben sich die Würzburger in diesen Treff verliebt und pflegen ihn reichlich. Der Brückenschoppen hat einen Beliebtheitsgrad erreicht, der seinesgleichen sucht. Die Atmosphäre auf der Brücke ist wohl international grandios, denn das Ensemble in seinem Gesamtbild, seiner Nähe von Brücke, Festung und dem Main mit seiner Schiff-Schleuse, dem Schrägwehr und seinem Wasserspiel sucht seinesgleichen auf der Welt.
Gott sei Dank ist der "Totentanz", den der 2. Weltkrieg hinterlassen hat, vorbei. Die Brücke, Einfallstor für die Schiffstouristen in die Stadt, glänzt wieder im alten Bild.


Wolfgang Lenz: "Totentanz" der Brückenheiligen

Totnan
Kilian

Franconia
Colonat
Burkard
Bruno
Fridericus
Pipin


Nepomuk
Josephus
Borromäus
Carolus Magnus
Alte Mainbrücke mit Brückenheiligen: Totentanz überwunden

Autor: Bendel-Horst

Zweimal, im 14. und 15. Jh., werden die hölzernen Vorgänger der Mainbrücke vom Hochwasser fortgerissen, und erst Anfang des 17. Jh. ist sie aus Stein. Die hölzerne Zugbrücke, die sie damalig immer noch mit der Innenstadt verbindet, wird ganz zuletzt im 19. Jh. durch einen Schwibbogen ersetzt. Warum sie daher, erst jetzt vollständig steinern beide Stadtteile verbindend, Alte Mainbrücke heißt, weiß der Teufel.
Das Schicksal der Brückenheiligen war sprichwörtlich verteufelt: 1912 hat man die alten Figuren zerschlagen und als Straßenschotter verwendet. Wieder restauriert, wurden sie am 16. März 1945 im 2. Weltkrieg wiederum schwer beschädigt und dienten dem Würzburger Künstler Wolfgang Lenz als Versinnbildlichung des „Totentanz“. Heute, vollständig restauriert, sind sie wieder ein Blickfang.
Ihr einzigartiges Flair verdankt die Alte Mainbrücke mit ihren Brückenheiligen einem augenfälligen Panorama. In die Stadt hinein, die Brückenheiligen mit der Brückenflucht: Alte Mainmühle – MainWein – Wöhrl-Kaufhaus im alten Häuser-Stil – am Vierröhrenbrunnen vorbei – bis zum mächtigen Dom. Aus der Stadt hinaus, die Brückenheiligen mit der Brückenflucht: – bis zum frühklassizistischen, spätgotischen Spitäle – umrahmt vom Main und seinen sprudelnden Gefällen – dem schilfbewachsenen Schrägwehr und seiner Schleuse – sowie der greifbar nahen Talkrone, der Festung. Auch das Barocke Käppele fällt neben der Festung im Blickwinkel noch ins Auge. Dieses Panorama hätte allein schon ein Kulturerbe verdient.
Wenn die Sonne im Sommer flirrend über der Stadt liegt und man betrachtend über die Brücke schlendert, ist manchmal ein charakterisierender Geruch wahrzunehmen, den schon Leonhard Frank in seinem Würzburg-Roman „Die Räuberbande“ bemerkt hat: „Es riecht nach Wasser, Teer und Weihrauch.“
Erst jetzt, im 21. Jh., hat die Brücke mit den Brückenheiligen ihre wirkliche Bestimmung erfahren: Sie ist der Kulminationspunkt und Kommunikationstreff für „Schoppenpfetzer“ und Genießer dieses einmaligen Panoramas. Zur Unterscheidung zu den Brückenheiligen werden die Bevölkernden (nicht abwertend) in einem Schmunzelgedicht „Schein-Heilige und Brückenschwalben“ genannt. Denn sie alle können noch Heilige werden – wer weiß das schon!

Die Brückenheiligen, die sich in 6er-Reihe gegenüberstehen, einer südlichen und nördlichen Reihe, stammen aus dem 18. Jh. Wenn man aus der Stadt kommt, stehen rechts, nördlich, Richtung „Meeviertel“: Pipin, Friedericus, Josephus, Nepomuk, Borromäus und Karl der Große – links, südseitig: Totnan, Kilian, Franconia, Colonat, Burkard und Bruno.

Die südliche Reihe, links stadtauswärts:
Kilian, Totnan und Colonat, irische Wandermönche, Märtyrer und Frankenapostel, haben nach einer Legende die Franken Ende des 6. Jh. angeblich christianisiert und sind daselbst gemeuchelt worden. Diese Geschichte wurde und wird in Würzburg oft als unumstößliche Tatsache erzählt, erschien mir aber schon als Jugendlicher sehr zweifelhaft, weil 1. der Mordbefehl von einer Frau gegeben wurde, und 2. dieselbe auch noch „Geilana“ hieß. 
Franconia mit dem Sternenkranz, die Versinnbildlichung Marias, ist die Patronin Frankens. Burkard war Herr der ersten Bischofskirche Würzburgs, der Marienkirche auf dem Festungsberg und Gründer eines Benediktinerklosters an der Stelle der heutigen Burkarduskirche hinter der Alten Mainbrücke stadtauswärts im Meeviertel. Bischof Bruno von Würzburg gilt als Begründer des Dombaus im 11. Jh.

Die nördliche Reihe, rechts stadtauswärts:
Pipin, war Vater Karls des Großen, der auf dieser Seite an letzter Stelle steht. Sie gelten als Begründer des Frankenreiches. Friedericus und Borromäus sind Namenspatrone des
Stifters und haben mit Franken nichts zu tun. Josephus mit dem Jesuskind sind Maria (Franconia) gegenübergestellt. Nepomuk wird als Brückenschutzpatron verehrt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen